Vor einigen Jahren stand Sozialkompetenz an Arbeitsplätzen im ganzen Land im Zentrum. Jetzt ist noch eine Kompetenz dazugekommen, nämlich die ästhetische Kompetenz. Auch wenn Oberfläche nicht alles ist, so spielt doch ein gepflegtes Äußeres und „richtiger” Stil eine immer wichtigere Rolle im Bewerbungsprozess.
Ästhetische Kompetenz handelt nicht davon, sich umzustylen, sondern vielmehr von Taktgefühl und davon, einen Stil zu finden, der sowohl der eigenen Persönlichkeit als auch dem seines Arbeitsplatzes entspricht. Ein Grund für die heutzutage höhere Gewichtung ästhetischer Kompetenz ist der mit vielen Stellen verbundene Kundenkontakt. Alle Personen mit Kundenkontakt sind das Gesicht des Arbeitgebers. Wenn du in ein Vorstellungsgespräch gehst, überlegt sich der Arbeitgeber mit großer Wahrscheinlichkeit, ob du seine Kunden treffen wirst. „Vollständig und sauber” ist seit langem ein etabliertes Grundprinzip für diejenigen, die in ein Vorstellungsgespräch gehen, und ästhetische Kompetenz ist eine Art Erweiterung des Begriffes. Zu deiner ästhetischen Kompetenz gehören unter anderm deine Frisur, deine Nägel, deine Zähne und ob du geschminkt bist oder parfümiert. Aber auch deine Sprechweise, ob du breiten Dialekt oder Hochdeutsch sprichst , ob du Branchenausdrücke beherrschst, Augenkontakt hältst und dich gut ausdrücken kannst, sind Teile deiner ästhetischen Kompetenz.
Dienstleistungsfirmen wecken Interesse an ästhetischer Kompetenz.
Für den Arbeitgeber ist es ein wichtiger Konkurrenzvorteil, dass du und dein Stil gut zu der Geschäfts- oder Betriebsidee passen, da du in der Praxis ein „lebendes Aushängeschild” für die Organisation bist. Wie in vielen anderen Zusammenhängen gilt „nicht zu viel des Guten”, diskret gepflegt auszusehen ist bedeutend besser als zu viel Schminke, falsche Fingernägel und von einer Parfümwolke umgeben zu sein. Die Kunst besteht in der Wahrung eines gesunden Gleichgewichts zwischen zeitlichem und finanziellem Aufwand für das Aussehen.
Ein Faktor, der zur Beliebtheit des Begriffes “ästhetische Kompetenz” geführt hat, ist die Tatsache, dass die Anzahl an Dienstleistungsfirmen steigt und die Konkurrenz unter ihnen wächst. Immer mehr Berufskategorien haben direkten Kundenkontakt und weil das Personal oft der mit Abstand wichtigste Zugang zu Dienstleistungsfirmen ist, legen mehr Chefs Gewicht auf ästhetische Kompetenz bei ihren Mitarbeitern.
Das physische Profil ist genauso wichtig wie das Verhalten geworden, sagt Henrietta Huzell, Doktorandin in Arbeitswissenschaft an der Universität Karlstad.
Sie ist verantwortlich für eine Untersuchung, in der man 2500 Arbeitgeber in Branchen wie Handel, Bank und Versicherung, Tourismus und Recht befragt hat. Die Antwort der Chefs zeigt, dass 90% von ihnen gut trainierte Angestellte sehen wollen und sieben von zehn wählen am liebsten übergewichtige Personen weg.
Je kundenorientierter der Job ist, umso mehr steigen die Anforderungen an die einzelnen Personen, aber das Ausbildungsniveau spielt auch eine Rolle. Eine ähnliche Untersuchung aus Großbritannien zeigte, dass 90% der Arbeitgeber gewisse ästhetische Anforderungen an ihre Angestellten stellen.
Die Fähigkeit nett auszusehen.
Nett zu sein ist Sozialkompetenz, nett auszusehen ist ästhetische Kompetenz. Ästhetische Kompetenz kann definiert werden als Vermögen, richtig zu sprechen und auszusehen, um einen gewissen Job zu bekommen, sagt Henrietta Huzell.
Sie weist darauf hin, dass es einen Unterschied in der Beziehung zum ästhetischen Kompetenzbegriff zwischen Jugendlichen und Arbeitgebern gibt. Viele junge Leute möchten sich nicht anpassen oder sich oder ihre Persönlichkeit verändern, um an einen gewissen Arbeitsplatz zu passen, während die Arbeitgeber eher erwarten, dass der Arbeitssuchende sich zu einem gewissen Grad an die gestellten ästhetischen Anforderungen anpasst.
Es hat schon immer bestimmte Grundanforderungen bezüglich ästhetischer Kompetenz gegeben, und zwar die Anforderung bei der Arbeitssuche „vollständig und sauber” zu sein. Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche aus der Mittelschicht bessere Kenntnisse in ästhetischer Kompetenz haben und was diese beinhaltet als Jugendliche aus der Arbeiterklasse. In Schottland ist es zum Beispiel soweit gekommen, dass Servicearbeiten an Studenten aus der Mittelschicht gegeben werden, was zu Konkurrenz mit Jugendlichen aus der Arbeiterklasse führt, sagt Henrietta Huzell.
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